Sonntag, 14. März 2010

Axolotl Roadkill-over and over again

Ich möchte beginnen, indem ich bemerke, dass mir die Geschichte bevor ich vom Plagiat gewusst habe, schon nicht gefallen hat.
Ich fand die vulgäre Sprache definitiv übertieben. Natürlich kann man anmerken, dass sie einen durchaus modernen Schreibstil gewählt hat. Man sagt heute nun mal "es isch geil gsi" und nicht "das hat mir jetz aber sehr gefallen". Trotzdem fand ich es stellenweise masslos und völlig unpassend! Wieso muss es eine "Scheiss Fotografie" sein? Ich bin 14 Jahre und kann wohl behaupten die Sprache der Jugend zu kennen. Jedoch wage ich zu behaupten, dass niemand sich in diesen Zusammenhängen und in solchen Themen so ausdrücken würde.
Nun, übertrieben oder nicht, jedem das Seine. Was ich jedoch schockierend fand, und ich bin ja nicht gerade konservativ, war, dass sie Themen wie Vergewaltigung dermassen hemmungslos, meiner Meinung nach pervers, sogar als normal oder harmlos dargestellt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man einen Text verfassen kann, der solche Themen in solcher Art und Weise zeigt. Mir stellt sich die Frage, was sich die Autorin denn so vorstellt? Woher kommen solche kranke Fantasien? Ich wage zu bezweifeln, dass sie reine Vorstellung sind. Und wäre gerade die Vergewaltigung eine Fantasie, wäre das nicht genauso krank? Ich finde es gut, dass man in der Literatur Dinge schreiben kann, die man vielleicht nicht sagen oder machen würde. Dennoch bestehen für mich einige Grenzen und die hat Helene Hegemann weitaus überschritten. Und dies alles wird durch den herben Schreibstil beinahe provokant hervorgebracht. Bleiben wir bei dieser provokanten Haltung.

Man hat also entdeckt, dass Helene Hegemann eindeutig ganze Abschnitte, gar Seiten, plagiert hat.
Diese Frau ist mir ein Rätsel. Eine 17jährige wird in den höchsten Tönen gelobt. Für ihren Wortreichtum, die einzigartige Sichtweise und die Darstellung einer Gesellschaft die uns so fremd erscheint und doch die Unsere ist.
Wenige Zeit später bröckelt die Fassade bereits stark. Für mich ist die Plagiatsgeschichte eine Bestätigung. Ich hatte mir das Interview mit Helene Hegemann bereits bevor ich von den erschreckenden Erkenntnissen gehört hatte, angesehen. Bereits damals konnte ich mich nicht mit der Autorin anfreunden. Sie redete durchaus mit einem breiten Wortschatz, was man ja eigentlich auch bewundern kann, irgendwoher kommt das ja. Doch mir schien es, als wäre sie nur darauf konsentriert, möglichst schwierige Sätze zu bilden. Mir schleicht an dieser Stelle immer ein lächerlicher Vergleich ins Gedächtnis: Die Geschichte mit dem Kaiser und den unsichtbaren Kleidern. Ich nehme an, man kennt diese Geschichte.
Helene Hegemann schreibt für mich einen Text, der so komplex und auch teilweise so sinnlos und zusammenhangslos, sowie erschreckend direkt und prüde ist, dass sich jeder denkt: " Das wird wohl intelligent sein." Und somit wird das "Werk" gelobt, unterstrichen von dem Fakt, dass die Autorin wahrscheinlich jünger als jeder der Kritiker ist. Kurz und bündig wird sie als Talent gefeiert.
Natürlich, auch dies kann man Talent nennen. Trotzdem ist für mich ein Plagiat, das mehrere Seiten umfasst und dabei nicht einmal abgeändert wurde, eine Frechheit.
Um zur Provokation zurück zu kommen, die Dreistheit einen Text wortgenau zu kopieren und dann "per äxküsi" später einmal eine kleine Namenserwähnung zu drucken, zeugt für mich von einer jungen Frau, die sich einen Spass mit der Gesellschaft leistet und diesen ja auch genügend auskosten konnte.
Um auf den Punkt zu kommen, ein Plagiat ist für mich keine Kunst. Höchstens Bewunderung für einen Menschen. Die Vorstellung, der Wunsch man selbst besässe dieses Talent wird zu Neid.

Man könnte wohl stundenlang über diese Buch und dessen Autorin diskutieren. Ob gut oder nicht gut, ob Kunst oder Frechheit, schlussendlich zählt auch hier der persöhnliche Geschmack.
Meiner ist es definitiv nicht.

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