Montag, 5. Juli 2010

Modularbiet "Das Parfum" 6

Vergleich Buch-Film

Nachdem ich im ersten Modul geschrieben hatte, dass mir der Film nicht allzu sehr gefallen hat, versuchte ich mich zu erinnern, was genau mir nicht so zugesagt hatte.
So sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte mich nicht erinnern. Ich wusste nicht mehr, wie Grenouille ausgesehen hatte. Allgemein war mir nicht eine einzige Person im Gedächtnis haften geblieben! Es gab keinen Ausweg mehr: Ich musste den Film noch einmal sehen!

Das tat ich dann auch. Hier also meine aufgefrischten Eindrücke zum Film:

Als erstes fiel mir auf, dass der Aufenthalt bei der Amme, sowie die Begegnung mit dem Mönch, vollständig fehlte! Für mich leitet diese Szene den Leser wunderbar in die Geschichte ein! Es wird einem bewusst, was für ein Talent Grenouille besitzt und man wird mit der Hauptperson bekannt gemacht. Ausserdem vermutet man bereits da, dass Grenouille selbst nicht riecht. Ich finde dieses Wissen gab dem Leser eine Art Überlegenheit gegenüber der Hauptperson und das stellte einen gewissen Reiz dar. Ich fand es schade, dass genau bei solch eindrücklichen Szenen Zeit gespart wurde, oder, dass sie als unwichtig eingestuft wurden.

Wie ich bereits in anderen Modulen berichtete, ist für mich der erste Mord ein wichtiger Punkt in Grenouilles Leben und spielt eine wichtige Rolle für den Leser. Man lernt Grenouille kennen und es wird einem bewusst, dass ihm das Menschenleben, dass er ausgelöscht hat, völlig gleichgültig ist. Im Film scheint der erste Mord eher unabsichtlich geschehen zu sein! Dies fand ich sehr enttäuschend. Denn für mich ist diese Szene, wie bereits gesagt, ausschlaggebend. Die Gefühlskälte und der unglaublich starke Wille Grenouilles werden hier nicht deutlich!

Ebenfalls schade fand ich, dass man so gut wie gar nichts über Baldini erfährt. Im Buch wird einem über mehrere Seiten klar gemacht, wie Baldini ist. Ausserdem ist Baldini im Film viel zu gutmütig mit Grenouille! Es wird nicht deutlich, dass Baldini stets ein mulmiges Gefühl hatte, mit Grenouille unterm Dach.
Geblieben ist mir auch die Szene, in der Grenouille merkt, dass man zum Beispiel Steine nicht destillieren kann. Baldini entdeckt seine Katze im Destilliergerät und einen tobenden Grenouille. Grenouille hat im Buch niemals so viel von sich Preis gegeben. Negative, so wie positive Erfahrungen hat er stets nur mit sich selbst geteilt.

Ich war von Anfang an auf den Teil in der Höhle gespannt gewesen. Wie würde er wohl aussehen nach 7 Jahren? Wie würde seine „Seelenwelt“ dargestellt werden?

Was für eine Enttäuschung! Der Aufenthalt war stark verkürzt, es schien einem eher wie Monate, bestimmt nicht wie Jahre. Grenouille sah nicht einmal halb so vergammelt aus, wie man ihn sich vorgestellt hatte. Man erfuhr rein gar nichts über seine Auseinandersetzungen mit sich selbst. Auch die Szene, in der er vor den Wissenschaftlern so vorgeführt wurde und wie er diesen Mann täuschte, als er so tat, als sei das schlechte Parfum schuld an seinem Unwohlsein. All dies wurde weggelassen. Ich fand genau jene Szenen sehr schön. Sie zeigen die Intelligenz Grenouilles, seine linkische Persöhnlichkeit und es berührte einen dann doch, als er wie ein Tier herumgezeigt wurde. Der Autor spielte hier mit dem Leser und dessen Gefühle, dass kommt im Film nicht rüber.

Aber was mich am allermeisten enttäuschte war aber der Schluss!
Das ganze Bild, das einem im Buch übermittelt wird, wird hier zerstört! Man sieht einen traurigen Grenouille, der sich nach Liebe sehnt, der normal sein will! Kein Hass gegenüber den Menschen, keine Gefühlskälte, sondern der Wunsch, geliebt zu werden. Eigentlich wird einem hier alles vermittelt, was im Buch unterstrichen wird, weil es eben nicht vorhanden ist. Es sind die Dinge, die Grenouille als schreckliches Genie ausmachen.

Ich möchte trotzdem fair bleiben und noch einige positive Aspekte anmerken:
Der Schauspieler, der Grenouille spielte, war, meiner Meinugn nach, sehr gut! Am meisten gefiel mir seine linkische Art. Die brachte er hervorragend rüber!
Ausserdem fand ich die Musik sehr passend und jene eine Szene, als Grenouille, noch als Baby, den Finger des Jungen packte, fand ich sehr eindrücklich. Das damalige Menschenbild wurde einem nahe gebracht und auch die Pont au Change und der Laden Baldinis gefiel mir sehr gut!



Zusammenfassend: Im Film wirken viele Persöhnlichkeiten, die im Buch hervorstachen und einem im Gedächtnis geblieben waren, vollkommen unwichtig. Der Roman lebte von jenen Persöhnlichkeiten. Patrick Süskind konnte einem mit einigen Gedanken der Person bereits ein genaues Bild vermitteln. Diese Szenen wurden wohl aus Zeitgründen weggelassen. Dies ist natürlich verständlich, doch hier stellt sich mir die Frage, ob man sich überhaupt jemals an diesen Roman wagen hätte sollen! Ich denke er ist nicht zu übertreffen, nicht einmal annähernd.
Der Film ist durchaus unterhaltsam, falls man das Buch nicht gelesen hat, oder sich nicht allzu sehr darauf versteift.

1 Kommentar:

  1. Grundsätzlich ist deine Textanlage sinnvoll und Nachvollziehbar. Allerdings merkt man deinem Text ein wenig an, dass du irgendwie froh warst fertig zu sein. Ich hätte ihn besser gefunden, wenn du genauer wärst. Zum einen was die Sprache betrifft, hier bist du für meinen Geschmack etwas zu sehr am 'plaudern', andererseits auch bei den Beobachtungen. Du sprichst zwar vieles an, doch würde deine Arbeit gehaltvoller, wenn du ganz konkret eine Textstelle mit ihrem Filmpendant vergleichst – Wort für Wort, Einstellung für Einstellung. Ich habe auch bei Lisas Filmbetrag schon geschrieben, dass ich es Schade gefunden habe, dass keine Diskussionsgruppe zustande gekommen ist. Lies mal ihren Text – ihr seid recht unterschiedlicher Meinung!

    Noch zur Punktezählung: Eigentlich wären hier 3 Punkt angebracht, doch gebe ich nur noch 2, da du sonst 16 statt 15 Punkte hättest.

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