Sonntag, 4. Juli 2010

Modularbeit "Das Parfum" 5

1.1 Der Eigengeruch Grenouilles
(ich nehme in jenem Text Bezug auf die Selbstansicht Grenouilles, deshalb 1 & 1.1)

Während ich 1. Schrieb, stellte sich mir eine zentrale Frage:

Konnte Grenouille sein Talent, also den Geruchssinn, villeicht nur so gut nutzen, weil er selbst nicht roch?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen versetze ich mich in die Situtation, dass Grenouille mit normalem „Menschengeruch“ geboren worden wäre. Wie wäre die Geschichte verlaufen?

Begonnen bei seiner unscheinbaren Gestalt. Im Roman wird immer wieder betont, dass Grenouille nie auffiel. Er war geradezu darauf erpicht nicht auzufallen,. Zwar trat er ganz bewusst unscheinbar auf, doch seine Unscheinbarkeit wurde von seiner Geruchslosigkeit getragen. Hätte er gerochen, so wäre er normal wahrgenommen worden. Sein Talent wäre vielleicht aufgefallen und er wäre sofort verdächtigt worden. Nehmen wir die Kinder im Waisenhaus als Beispiel. Bereits früh mochten ihn die Kinder nicht. Sie hatten Angst vor ihm. Sie spürten, dass er anders war. Sie wollten ihn sogar einige Male töten. Hätten sie gleich gehandelt, falls Grenouille gerochen, ihnen also äusserlich normal erschienen wäre? Wären ihnen seine charakterlichen Besonderheiten niemals aufgefallen? Hätten sie ihn gar gemocht?

Ich denke, die Kinder hätten ihn nicht ermorden wollen, sie hätten ja keinen Grund gehabt. Ich glaube sogar, dass sie ihn normal integrieren hätten wollen. Doch diese positiv erscheinenden Dinge wären für Grenouille, meiner Meinung nach, verheerend gewesen.
Denn Grenouille hätte sich nie für die Kinder interessiert. Er hätte gar nicht integriert werden wollen. Er kannte keine Freundschaft oder Zuneigung und er wollte sich auch nicht. Also wäre seine Gefühlslosigkeit gegenüber Menschen aufgefallen und man hätte ihn wohl später wegen den Morden verdächtigt, so meine Vermutungen. Die Geruchlosigkeit Grenouilles war seine Tarnung! Auch später im Buch zeigt sich das. Er stellt dann ja auch Düfte her, die ihm diese Tarnung nehmen, so, dass er normal wahrgenommen wird. Auch der Unschuldsduft wird entworfen. Doch am wichtigsten bleibt seine Geruchslosigkeit; nämlich immer dann, wenn er seinem Lebensziel ein Stück näher kommt, bei den Morden.

Nun zu einem weiteren Punkt. Mir stellt sich die Frage, ob Grenouille in seinem Handwerk durch seinen eigenen Geruch nicht gestört worden wäre. Grenouille arbeitete meist ohne Messutensilien, daher ist es naheliegend, dass ein solch geniales Riechvermögen durch den Eigengeruch behindert worden wäre, oder sich nicht entwickeln hätte können!

Zum Abschluss noch zum Aufenthalt in der Höhle. Der eigentliche Grund für die Flucht vor der Öffentlichkeit war, dass Grenouille den Geruch der Menschen nicht mehr ertrug!
Hier sehe ich das grösste Problem! Obwohl Grenouille leidet, als er feststellt, dass er nicht riecht, glaube ich, dass dies ganz klar ein Vorteil war! Man stelle sich vor Grenouille hätte seinen eigenen Geruch nicht mehr ertragen! Ich denke, er wäre durchgedreht und hätte sich selbst umgebracht!

Fazit: Für mich ist die Geruchslosigkeit Grenouilles ein wichtiger Teil seiner Person! Seine ganze Lebensgeschichte wäre, meiner Meinung nach, ohne jenen Vorteil nicht so zustanden gekommen, wie wir ihn gelesen haben. Obwohl die Geruchslosigkeit von Grenouille als bittere Enttäuschung aufgefasst wird, entgeht ihm der Nutzen dahinter. Hätte er seine Geschichte wohl einmal von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, so wäre ihm sicherlich nicht entgangen, dass er es wohl hätte schätzen müssen und dass die Geruchslosigkeit sein geniales und doch schreckliches Genie erst vollendet hat.

2 Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Hier schwanke ich bei der Bewertung zwischen 'gut' und 'genügend'. Ich habe mich aber dazu entschieden ein 'gut' zu setzen, weil dieser Text eigentlich nur ein zweiter Teil des Moduls 4 ist. Wieso aber dieses Schwanken?

    Ich Gegensatz zum andern Text bist du hier etwas arg spekulativ. Anstatt von Beobachtungen am Text oder zur eigenen Wahrnehmung auszugehen, konstruierst du eine 'was-wäre-wenn'-Situation, die am Ende eigentlich nur zum erwarteten Schluss führt, dass Grenouilles Geruchslosigkeit für ihn charakterbildend ist. In meinen Augen ist das wenig kontrovers und liesse sich auch mit weniger Aufwand darlegen.

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