Vergleich Buch-Film
Nachdem ich im ersten Modul geschrieben hatte, dass mir der Film nicht allzu sehr gefallen hat, versuchte ich mich zu erinnern, was genau mir nicht so zugesagt hatte.
So sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte mich nicht erinnern. Ich wusste nicht mehr, wie Grenouille ausgesehen hatte. Allgemein war mir nicht eine einzige Person im Gedächtnis haften geblieben! Es gab keinen Ausweg mehr: Ich musste den Film noch einmal sehen!
Das tat ich dann auch. Hier also meine aufgefrischten Eindrücke zum Film:
Als erstes fiel mir auf, dass der Aufenthalt bei der Amme, sowie die Begegnung mit dem Mönch, vollständig fehlte! Für mich leitet diese Szene den Leser wunderbar in die Geschichte ein! Es wird einem bewusst, was für ein Talent Grenouille besitzt und man wird mit der Hauptperson bekannt gemacht. Ausserdem vermutet man bereits da, dass Grenouille selbst nicht riecht. Ich finde dieses Wissen gab dem Leser eine Art Überlegenheit gegenüber der Hauptperson und das stellte einen gewissen Reiz dar. Ich fand es schade, dass genau bei solch eindrücklichen Szenen Zeit gespart wurde, oder, dass sie als unwichtig eingestuft wurden.
Wie ich bereits in anderen Modulen berichtete, ist für mich der erste Mord ein wichtiger Punkt in Grenouilles Leben und spielt eine wichtige Rolle für den Leser. Man lernt Grenouille kennen und es wird einem bewusst, dass ihm das Menschenleben, dass er ausgelöscht hat, völlig gleichgültig ist. Im Film scheint der erste Mord eher unabsichtlich geschehen zu sein! Dies fand ich sehr enttäuschend. Denn für mich ist diese Szene, wie bereits gesagt, ausschlaggebend. Die Gefühlskälte und der unglaublich starke Wille Grenouilles werden hier nicht deutlich!
Ebenfalls schade fand ich, dass man so gut wie gar nichts über Baldini erfährt. Im Buch wird einem über mehrere Seiten klar gemacht, wie Baldini ist. Ausserdem ist Baldini im Film viel zu gutmütig mit Grenouille! Es wird nicht deutlich, dass Baldini stets ein mulmiges Gefühl hatte, mit Grenouille unterm Dach.
Geblieben ist mir auch die Szene, in der Grenouille merkt, dass man zum Beispiel Steine nicht destillieren kann. Baldini entdeckt seine Katze im Destilliergerät und einen tobenden Grenouille. Grenouille hat im Buch niemals so viel von sich Preis gegeben. Negative, so wie positive Erfahrungen hat er stets nur mit sich selbst geteilt.
Ich war von Anfang an auf den Teil in der Höhle gespannt gewesen. Wie würde er wohl aussehen nach 7 Jahren? Wie würde seine „Seelenwelt“ dargestellt werden?
Was für eine Enttäuschung! Der Aufenthalt war stark verkürzt, es schien einem eher wie Monate, bestimmt nicht wie Jahre. Grenouille sah nicht einmal halb so vergammelt aus, wie man ihn sich vorgestellt hatte. Man erfuhr rein gar nichts über seine Auseinandersetzungen mit sich selbst. Auch die Szene, in der er vor den Wissenschaftlern so vorgeführt wurde und wie er diesen Mann täuschte, als er so tat, als sei das schlechte Parfum schuld an seinem Unwohlsein. All dies wurde weggelassen. Ich fand genau jene Szenen sehr schön. Sie zeigen die Intelligenz Grenouilles, seine linkische Persöhnlichkeit und es berührte einen dann doch, als er wie ein Tier herumgezeigt wurde. Der Autor spielte hier mit dem Leser und dessen Gefühle, dass kommt im Film nicht rüber.
Aber was mich am allermeisten enttäuschte war aber der Schluss!
Das ganze Bild, das einem im Buch übermittelt wird, wird hier zerstört! Man sieht einen traurigen Grenouille, der sich nach Liebe sehnt, der normal sein will! Kein Hass gegenüber den Menschen, keine Gefühlskälte, sondern der Wunsch, geliebt zu werden. Eigentlich wird einem hier alles vermittelt, was im Buch unterstrichen wird, weil es eben nicht vorhanden ist. Es sind die Dinge, die Grenouille als schreckliches Genie ausmachen.
Ich möchte trotzdem fair bleiben und noch einige positive Aspekte anmerken:
Der Schauspieler, der Grenouille spielte, war, meiner Meinugn nach, sehr gut! Am meisten gefiel mir seine linkische Art. Die brachte er hervorragend rüber!
Ausserdem fand ich die Musik sehr passend und jene eine Szene, als Grenouille, noch als Baby, den Finger des Jungen packte, fand ich sehr eindrücklich. Das damalige Menschenbild wurde einem nahe gebracht und auch die Pont au Change und der Laden Baldinis gefiel mir sehr gut!
Zusammenfassend: Im Film wirken viele Persöhnlichkeiten, die im Buch hervorstachen und einem im Gedächtnis geblieben waren, vollkommen unwichtig. Der Roman lebte von jenen Persöhnlichkeiten. Patrick Süskind konnte einem mit einigen Gedanken der Person bereits ein genaues Bild vermitteln. Diese Szenen wurden wohl aus Zeitgründen weggelassen. Dies ist natürlich verständlich, doch hier stellt sich mir die Frage, ob man sich überhaupt jemals an diesen Roman wagen hätte sollen! Ich denke er ist nicht zu übertreffen, nicht einmal annähernd.
Der Film ist durchaus unterhaltsam, falls man das Buch nicht gelesen hat, oder sich nicht allzu sehr darauf versteift.
Montag, 5. Juli 2010
Sonntag, 4. Juli 2010
Modularbeit "Das Parfum" 5
1.1 Der Eigengeruch Grenouilles
(ich nehme in jenem Text Bezug auf die Selbstansicht Grenouilles, deshalb 1 & 1.1)
Während ich 1. Schrieb, stellte sich mir eine zentrale Frage:
Konnte Grenouille sein Talent, also den Geruchssinn, villeicht nur so gut nutzen, weil er selbst nicht roch?
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen versetze ich mich in die Situtation, dass Grenouille mit normalem „Menschengeruch“ geboren worden wäre. Wie wäre die Geschichte verlaufen?
Begonnen bei seiner unscheinbaren Gestalt. Im Roman wird immer wieder betont, dass Grenouille nie auffiel. Er war geradezu darauf erpicht nicht auzufallen,. Zwar trat er ganz bewusst unscheinbar auf, doch seine Unscheinbarkeit wurde von seiner Geruchslosigkeit getragen. Hätte er gerochen, so wäre er normal wahrgenommen worden. Sein Talent wäre vielleicht aufgefallen und er wäre sofort verdächtigt worden. Nehmen wir die Kinder im Waisenhaus als Beispiel. Bereits früh mochten ihn die Kinder nicht. Sie hatten Angst vor ihm. Sie spürten, dass er anders war. Sie wollten ihn sogar einige Male töten. Hätten sie gleich gehandelt, falls Grenouille gerochen, ihnen also äusserlich normal erschienen wäre? Wären ihnen seine charakterlichen Besonderheiten niemals aufgefallen? Hätten sie ihn gar gemocht?
Ich denke, die Kinder hätten ihn nicht ermorden wollen, sie hätten ja keinen Grund gehabt. Ich glaube sogar, dass sie ihn normal integrieren hätten wollen. Doch diese positiv erscheinenden Dinge wären für Grenouille, meiner Meinung nach, verheerend gewesen.
Denn Grenouille hätte sich nie für die Kinder interessiert. Er hätte gar nicht integriert werden wollen. Er kannte keine Freundschaft oder Zuneigung und er wollte sich auch nicht. Also wäre seine Gefühlslosigkeit gegenüber Menschen aufgefallen und man hätte ihn wohl später wegen den Morden verdächtigt, so meine Vermutungen. Die Geruchlosigkeit Grenouilles war seine Tarnung! Auch später im Buch zeigt sich das. Er stellt dann ja auch Düfte her, die ihm diese Tarnung nehmen, so, dass er normal wahrgenommen wird. Auch der Unschuldsduft wird entworfen. Doch am wichtigsten bleibt seine Geruchslosigkeit; nämlich immer dann, wenn er seinem Lebensziel ein Stück näher kommt, bei den Morden.
Nun zu einem weiteren Punkt. Mir stellt sich die Frage, ob Grenouille in seinem Handwerk durch seinen eigenen Geruch nicht gestört worden wäre. Grenouille arbeitete meist ohne Messutensilien, daher ist es naheliegend, dass ein solch geniales Riechvermögen durch den Eigengeruch behindert worden wäre, oder sich nicht entwickeln hätte können!
Zum Abschluss noch zum Aufenthalt in der Höhle. Der eigentliche Grund für die Flucht vor der Öffentlichkeit war, dass Grenouille den Geruch der Menschen nicht mehr ertrug!
Hier sehe ich das grösste Problem! Obwohl Grenouille leidet, als er feststellt, dass er nicht riecht, glaube ich, dass dies ganz klar ein Vorteil war! Man stelle sich vor Grenouille hätte seinen eigenen Geruch nicht mehr ertragen! Ich denke, er wäre durchgedreht und hätte sich selbst umgebracht!
Fazit: Für mich ist die Geruchslosigkeit Grenouilles ein wichtiger Teil seiner Person! Seine ganze Lebensgeschichte wäre, meiner Meinung nach, ohne jenen Vorteil nicht so zustanden gekommen, wie wir ihn gelesen haben. Obwohl die Geruchslosigkeit von Grenouille als bittere Enttäuschung aufgefasst wird, entgeht ihm der Nutzen dahinter. Hätte er seine Geschichte wohl einmal von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, so wäre ihm sicherlich nicht entgangen, dass er es wohl hätte schätzen müssen und dass die Geruchslosigkeit sein geniales und doch schreckliches Genie erst vollendet hat.
(ich nehme in jenem Text Bezug auf die Selbstansicht Grenouilles, deshalb 1 & 1.1)
Während ich 1. Schrieb, stellte sich mir eine zentrale Frage:
Konnte Grenouille sein Talent, also den Geruchssinn, villeicht nur so gut nutzen, weil er selbst nicht roch?
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen versetze ich mich in die Situtation, dass Grenouille mit normalem „Menschengeruch“ geboren worden wäre. Wie wäre die Geschichte verlaufen?
Begonnen bei seiner unscheinbaren Gestalt. Im Roman wird immer wieder betont, dass Grenouille nie auffiel. Er war geradezu darauf erpicht nicht auzufallen,. Zwar trat er ganz bewusst unscheinbar auf, doch seine Unscheinbarkeit wurde von seiner Geruchslosigkeit getragen. Hätte er gerochen, so wäre er normal wahrgenommen worden. Sein Talent wäre vielleicht aufgefallen und er wäre sofort verdächtigt worden. Nehmen wir die Kinder im Waisenhaus als Beispiel. Bereits früh mochten ihn die Kinder nicht. Sie hatten Angst vor ihm. Sie spürten, dass er anders war. Sie wollten ihn sogar einige Male töten. Hätten sie gleich gehandelt, falls Grenouille gerochen, ihnen also äusserlich normal erschienen wäre? Wären ihnen seine charakterlichen Besonderheiten niemals aufgefallen? Hätten sie ihn gar gemocht?
Ich denke, die Kinder hätten ihn nicht ermorden wollen, sie hätten ja keinen Grund gehabt. Ich glaube sogar, dass sie ihn normal integrieren hätten wollen. Doch diese positiv erscheinenden Dinge wären für Grenouille, meiner Meinung nach, verheerend gewesen.
Denn Grenouille hätte sich nie für die Kinder interessiert. Er hätte gar nicht integriert werden wollen. Er kannte keine Freundschaft oder Zuneigung und er wollte sich auch nicht. Also wäre seine Gefühlslosigkeit gegenüber Menschen aufgefallen und man hätte ihn wohl später wegen den Morden verdächtigt, so meine Vermutungen. Die Geruchlosigkeit Grenouilles war seine Tarnung! Auch später im Buch zeigt sich das. Er stellt dann ja auch Düfte her, die ihm diese Tarnung nehmen, so, dass er normal wahrgenommen wird. Auch der Unschuldsduft wird entworfen. Doch am wichtigsten bleibt seine Geruchslosigkeit; nämlich immer dann, wenn er seinem Lebensziel ein Stück näher kommt, bei den Morden.
Nun zu einem weiteren Punkt. Mir stellt sich die Frage, ob Grenouille in seinem Handwerk durch seinen eigenen Geruch nicht gestört worden wäre. Grenouille arbeitete meist ohne Messutensilien, daher ist es naheliegend, dass ein solch geniales Riechvermögen durch den Eigengeruch behindert worden wäre, oder sich nicht entwickeln hätte können!
Zum Abschluss noch zum Aufenthalt in der Höhle. Der eigentliche Grund für die Flucht vor der Öffentlichkeit war, dass Grenouille den Geruch der Menschen nicht mehr ertrug!
Hier sehe ich das grösste Problem! Obwohl Grenouille leidet, als er feststellt, dass er nicht riecht, glaube ich, dass dies ganz klar ein Vorteil war! Man stelle sich vor Grenouille hätte seinen eigenen Geruch nicht mehr ertragen! Ich denke, er wäre durchgedreht und hätte sich selbst umgebracht!
Fazit: Für mich ist die Geruchslosigkeit Grenouilles ein wichtiger Teil seiner Person! Seine ganze Lebensgeschichte wäre, meiner Meinung nach, ohne jenen Vorteil nicht so zustanden gekommen, wie wir ihn gelesen haben. Obwohl die Geruchslosigkeit von Grenouille als bittere Enttäuschung aufgefasst wird, entgeht ihm der Nutzen dahinter. Hätte er seine Geschichte wohl einmal von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, so wäre ihm sicherlich nicht entgangen, dass er es wohl hätte schätzen müssen und dass die Geruchslosigkeit sein geniales und doch schreckliches Genie erst vollendet hat.
Modularbeit "Das Parfum" 4
Die Selbstansicht Grenouilles 1
Ich möchte mich im folgenden Text mit der Selbstansicht Grenouilles beschäftigen. Mir fiel auf, dass er sich anfangs nicht als böse bezeichnet. Den Verlauf bzw. die Veränderungen seiner Selbstansicht fand ich sehr interessant und deshalb möchte ich diese sie, mit Hilfe von Zitaten, ergründen und vor allem aufzeigen.
Der erste Mord. Hier beginnen für mich die Veränderungen. Grenouille erlebt das erste Mal richtige Gefühle, Glücksgefühle. Und dies, wegen einem Mord. Ihn scheint das nicht zu stöhren, er scheint es gar nicht wahrzunehmen. Mir kommt es so vor, als denke er gar nicht daran, was er eigentlich getan hat. Er ist völlig geblendet vom Geruch dieses Mädchens. Ich zitiere jene Stelle:
„Jetzt aber zitterte er vor Glück und konnte vor lauter Glückseeligkeit nicht schlafen. Ihm war, als würde er zum zweiten Mal geboren, nein, nicht zum zweiten, zum ersten Mal, denn bisher hatte er bloss animalisch existiert, in höchst nebulöser Kenntnis seiner selbst. Mit dem heutigen Tag aber schien es ihm, als wisse er endlich, wer er wirklich sei: nämlich nichts anderes als ein Genie; (...)“ (S.57)
Es scheint als würde Grenouille, die Zecke, erst jetzt anfangen zu leben. Er sagt sogar, er glaube zu wissen, wer er sei. Es scheint so, als hätte er seine Bestimmung gefunden.
Ich möchte noch eine weitere Stelle zitieren, die mir wesentlich erscheint.
„Dass am Anfang dieser Herrlichkeit ein Mord gestanden hatte, war ihm, wenn überhaupt bewusst, vollkommen gleichgültig. (...) Er hatte ja das Beste von ihr aufbewahrt und sich zu eigen gemacht: das Prinzip ihres Duftes.“(S.58)
Grenouilles sieht seine Tat, ebenso, wie sich selbst, nicht als böse an. Er denkt gar nicht darüber nach. Alles, was für ihn zählt, ist der Duft. Er sieht alles um sich herum nicht mehr, es ist ihm gleichgültig, wie im Text steht. Ausserdem rechtfertigt er sich damit, dass das Beste, also der Duft, ja gut aufgehoben sei. Er sieht kein Mädchen, er sieht nur ihren Nutzen.
Grenouilles sieht sich selbst also nicht als eine böse Person. Nun hatte er ja gesagt, er wüsse nun, wer er sei. Doch diese Sicherheit wird ihm genommen, als er merkt, dass er selbst nicht riecht. „Was er jetzt empfand, war die Angst über sich selbst nicht bescheid zu wissen.“ (S. 175) Grenouille wird hier wieder einmal damit konfrontiert, dass er anders ist. Bisher störte ihn das nicht. Doch der Geruch ist wohl das wichtigste in seinem Leben. Er riecht alles. Er war doch so von sich selbst überzeugt, er war ein Genie! Wie konnte es also möglich sein, dass er nicht roch?- Er war ein Genie des Geruches, dass nicht roch. Ich denke diese Erkenntnis machte ihm doch recht zu schaffen.
Die wahrscheinlich wichtigste Stelle( im Hinblick auf die Selbstansicht Grenouilles ), finde ich jedoch jene auf Seite 199:
„Und er sagte sich, dass er es wolle, weil er durch und durch böse sei.
Er lächelte und war sehr zufrieden.“
Nun also der Wendepunkt. Grenouille bezeichnet sich als böse und noch wichtiger, es gefällt ihm! Für ihn war es nichts Spezielles, nichts Beunruhigendes. Er bekennt sich als böse, er nimmt es wahr und geniesst es.
Diese Wahrnehmung ändert aber nichts an seinem Verhalten. Er mordet weiter mit Orientierung nur auf den Geruch. Gefühle entstehen nur im Bezug auf den Duft, niemals im Bezug auf die Person.
Nun zu seinem „Schloss im Innern seines Herzens“, wie Grenouille es kunstvoll benennt. In der Zeit, in der er im Vulkan vegetiert, flieht er immer wieder in seine ganz eigene Welt. Man muss dazu sagen, dass Grenouille eigentlich schon immer in einer eigenen Welt gelebt hat. Er beginnt zu fantasieren und im Zentrum seiner Fantasien steht immer er, Grenouille, als Herrscher über ein Reich, als bewundernswerte Autoritätsperson. Er stellt sich als Herr der Düfte dar.
Meiner Meinung nach sind diese Vorstellungen einerseits Schutz vor der Schizophrenie und/oder der Einsamkeit, obwohl sich das Grenouille niemals eingestehen würde, andererseits reift er für mich erst in diesem Teil des Buches zum richtigen Grenouille! Ich meine damit, dass die prunkvolle Selbstdarstellung wahrscheinlich auch ein wenig die Unsicherheit von Grenouille zeigt. Er weiss nicht recht, was er ist. Und durch diese unglaublichen Fantasien stärkt er sich. Er wird selbstsicherer, er verstärkt seinen Willen den perfekten Duft zu erstellen und er redet sich immer und immer wieder ein, dass er genial sei. Ich weiss nicht, ob Grenouilles Unterbewusstsein handelte oder ob er dies ganz bewusst getan hat.
Als er aus der Höhle zurückkehrt sind seine Sinne geschärft und sein Kopf klar. Grenouille ist stärker als je zuvor. Er ist überzeugt von seinem Talent und sich selbst. Diese innerliche Veränderung steht im krassen Gegensatz zu seiner äusserlichen Erscheinung.
Am Ende des Buches zeigt sich seine Haltung zu sich selbst am deutlichsten. Er bezeichnet die Menschen als dumm und fühlt sich klar überlegen. Er ekelt sich sogar vor den Leuten. Grenouille ist so von sich selbst überzeugt, dass er sich nun völlig abgeschottet hat. Er vergisst vollkommen, dass er selbst ein Mensch ist und es ist ihm gleichgültig. Er hätte wohl nie normal leben können, er hätte nie Kontakt mit einer Person aufbauen können und deshalb war er wohl zur Einsamkeit verdammt.
Erschreckend ist, dass ihn dies wohl nie störte.
Ich möchte mich im folgenden Text mit der Selbstansicht Grenouilles beschäftigen. Mir fiel auf, dass er sich anfangs nicht als böse bezeichnet. Den Verlauf bzw. die Veränderungen seiner Selbstansicht fand ich sehr interessant und deshalb möchte ich diese sie, mit Hilfe von Zitaten, ergründen und vor allem aufzeigen.
Der erste Mord. Hier beginnen für mich die Veränderungen. Grenouille erlebt das erste Mal richtige Gefühle, Glücksgefühle. Und dies, wegen einem Mord. Ihn scheint das nicht zu stöhren, er scheint es gar nicht wahrzunehmen. Mir kommt es so vor, als denke er gar nicht daran, was er eigentlich getan hat. Er ist völlig geblendet vom Geruch dieses Mädchens. Ich zitiere jene Stelle:
„Jetzt aber zitterte er vor Glück und konnte vor lauter Glückseeligkeit nicht schlafen. Ihm war, als würde er zum zweiten Mal geboren, nein, nicht zum zweiten, zum ersten Mal, denn bisher hatte er bloss animalisch existiert, in höchst nebulöser Kenntnis seiner selbst. Mit dem heutigen Tag aber schien es ihm, als wisse er endlich, wer er wirklich sei: nämlich nichts anderes als ein Genie; (...)“ (S.57)
Es scheint als würde Grenouille, die Zecke, erst jetzt anfangen zu leben. Er sagt sogar, er glaube zu wissen, wer er sei. Es scheint so, als hätte er seine Bestimmung gefunden.
Ich möchte noch eine weitere Stelle zitieren, die mir wesentlich erscheint.
„Dass am Anfang dieser Herrlichkeit ein Mord gestanden hatte, war ihm, wenn überhaupt bewusst, vollkommen gleichgültig. (...) Er hatte ja das Beste von ihr aufbewahrt und sich zu eigen gemacht: das Prinzip ihres Duftes.“(S.58)
Grenouilles sieht seine Tat, ebenso, wie sich selbst, nicht als böse an. Er denkt gar nicht darüber nach. Alles, was für ihn zählt, ist der Duft. Er sieht alles um sich herum nicht mehr, es ist ihm gleichgültig, wie im Text steht. Ausserdem rechtfertigt er sich damit, dass das Beste, also der Duft, ja gut aufgehoben sei. Er sieht kein Mädchen, er sieht nur ihren Nutzen.
Grenouilles sieht sich selbst also nicht als eine böse Person. Nun hatte er ja gesagt, er wüsse nun, wer er sei. Doch diese Sicherheit wird ihm genommen, als er merkt, dass er selbst nicht riecht. „Was er jetzt empfand, war die Angst über sich selbst nicht bescheid zu wissen.“ (S. 175) Grenouille wird hier wieder einmal damit konfrontiert, dass er anders ist. Bisher störte ihn das nicht. Doch der Geruch ist wohl das wichtigste in seinem Leben. Er riecht alles. Er war doch so von sich selbst überzeugt, er war ein Genie! Wie konnte es also möglich sein, dass er nicht roch?- Er war ein Genie des Geruches, dass nicht roch. Ich denke diese Erkenntnis machte ihm doch recht zu schaffen.
Die wahrscheinlich wichtigste Stelle( im Hinblick auf die Selbstansicht Grenouilles ), finde ich jedoch jene auf Seite 199:
„Und er sagte sich, dass er es wolle, weil er durch und durch böse sei.
Er lächelte und war sehr zufrieden.“
Nun also der Wendepunkt. Grenouille bezeichnet sich als böse und noch wichtiger, es gefällt ihm! Für ihn war es nichts Spezielles, nichts Beunruhigendes. Er bekennt sich als böse, er nimmt es wahr und geniesst es.
Diese Wahrnehmung ändert aber nichts an seinem Verhalten. Er mordet weiter mit Orientierung nur auf den Geruch. Gefühle entstehen nur im Bezug auf den Duft, niemals im Bezug auf die Person.
Nun zu seinem „Schloss im Innern seines Herzens“, wie Grenouille es kunstvoll benennt. In der Zeit, in der er im Vulkan vegetiert, flieht er immer wieder in seine ganz eigene Welt. Man muss dazu sagen, dass Grenouille eigentlich schon immer in einer eigenen Welt gelebt hat. Er beginnt zu fantasieren und im Zentrum seiner Fantasien steht immer er, Grenouille, als Herrscher über ein Reich, als bewundernswerte Autoritätsperson. Er stellt sich als Herr der Düfte dar.
Meiner Meinung nach sind diese Vorstellungen einerseits Schutz vor der Schizophrenie und/oder der Einsamkeit, obwohl sich das Grenouille niemals eingestehen würde, andererseits reift er für mich erst in diesem Teil des Buches zum richtigen Grenouille! Ich meine damit, dass die prunkvolle Selbstdarstellung wahrscheinlich auch ein wenig die Unsicherheit von Grenouille zeigt. Er weiss nicht recht, was er ist. Und durch diese unglaublichen Fantasien stärkt er sich. Er wird selbstsicherer, er verstärkt seinen Willen den perfekten Duft zu erstellen und er redet sich immer und immer wieder ein, dass er genial sei. Ich weiss nicht, ob Grenouilles Unterbewusstsein handelte oder ob er dies ganz bewusst getan hat.
Als er aus der Höhle zurückkehrt sind seine Sinne geschärft und sein Kopf klar. Grenouille ist stärker als je zuvor. Er ist überzeugt von seinem Talent und sich selbst. Diese innerliche Veränderung steht im krassen Gegensatz zu seiner äusserlichen Erscheinung.
Am Ende des Buches zeigt sich seine Haltung zu sich selbst am deutlichsten. Er bezeichnet die Menschen als dumm und fühlt sich klar überlegen. Er ekelt sich sogar vor den Leuten. Grenouille ist so von sich selbst überzeugt, dass er sich nun völlig abgeschottet hat. Er vergisst vollkommen, dass er selbst ein Mensch ist und es ist ihm gleichgültig. Er hätte wohl nie normal leben können, er hätte nie Kontakt mit einer Person aufbauen können und deshalb war er wohl zur Einsamkeit verdammt.
Erschreckend ist, dass ihn dies wohl nie störte.
Modularbeit-das Parfum 3
Alternativ-Ende
Zur Information: Ich beginne die Geschichte neu zu Ende zu erzählen ab dem Punkt, wo Grenouille nun endlich seinen Jungfrauenduft erstellt hat.
Nun hatte er also sein Lebensziel erreicht: Den Duft der Jungfrau. Leicht aber gleichzeitig stark, lieblich und trotzdem nicht süss; der Duft war schlichtweg umwerfend!
Grenouille sog einen kleinen Hauch der noch in der Luft schwebte in seine gierige Nase ein. Auch minimal dosiert, war der Duft berauschend wie eine Droge. Grenouille wusste, dass dies sein Ziel war. Er hatte sein Leben lang gekämpft, gelitten und gelernt um diesen Flakon erstellen zu können. Und nun trug er ihn in den Händen. Es war ein Schatz, der Schatz seines Genies. In diesem Parfum lag all sein Talent, seine Hingabe, vielleicht sogar alle emotionsähnlichen Empfindungen, die Grenouille jemals hatte.
Er fühlte zwar Glück, er wusste nun, dass er angekommen war. Aber andererseits ekelte es ihn an. Die Menschen ekelten ihn an. Sie würden durchdrehen. Wegen der Macht eines Duftes. Natürlich, der Duft war hervorragend, geradezu perfekt. Aber dennoch, es war nur ein Duft. Die Menschen waren dumm. Sie liessen sich so gut kontrollieren, täuschen und verführen.
Er, Grenouille, hatte mehr Macht als Gott, er war Gott, der Gott der Düfte, so wie er es längst bereits im Innern seiner Seele war.
Er hasste diese Kreaturen. Während er über seinen Hass nachdachte, beschloss er wieder zu fliehen. Er wollte nie mehr eine Menschenseele erblicken, sie waren es nicht würdig. Den Flakon nahm er mit, er würde diesen Tieren nicht seine Seele schenken, sie wüssten es doch nicht zu schätzen.
Er ging los. Mit der festen Absicht nie mehr zurückzukehren, nie mehr einen Menschen zu sehen und irgendwann dort draussen zu sterben. Er würde mit dem Wissen sterben, dass er, der grosse Grenouille, besser war, als alles da draussen, er würde sich in seiner Todesminute mit seinem Duft übergiessen.
Er war 10 Jahre gereist. Auf Bergwegen, in tiefsten Wäldern und auf dem Meer; weit weg von den unswissenden, dummen Menschen. Seine Reise glich dem Aufenthalt in der Höhle, mit einem Unterschied: Er ging ständig, er entdeckte ständig neue Landschaften, neue Pflanzen, neue Gerüche. Alle Düfte der Welt zu kennen, dies war nun sein Lebensinhalt, er wollte sie nur kennen, sie im Kopf speichern und mischen. Er wollte nie mehr ein Parfum erstellen, für wen auch? Er allein sollte die Ehre haben diese Duftkreationen zu riechen, und das tat er in seinem Kopf und in seinem Herzen, im Königreich des grossen Grenouille.
Er reiste monatelang auf dem Meer. Irgendwann erblickte er Land. Er hatte solche Ländereien noch nie gesehen. Tausende von Pflanzen, er roch die vielfältige Vegetation bereits Kilometer entfernt. In den Geruch dieser Pflanzen hatte sich immer etwas unbeschreiblich starkes und undefinierbares gemischt. Die Intensität dieser neuartigen Gerüche und Kreationen kombinierten sich so, dass Grenouilles Nase beinahe kapitulierte.
Die Düfte fesselten ihn und zwangen Grenouille ihnen zu folgen. Er hatte nicht geglaubt, dass dieser unglaublich intensive Duft noch stärker werden könnte, doch mit jedem Schritt Richtung Ursprungsquelle überwältigte es ihn noch mehr. Schliesslich kam er zu einer Art Marktplatz. Dass jener von dunkelhäutigen Menschen überfüllt war, stöhrte ihn nicht. Als er vor einem Holztisch mit Wahren darauf stand, wusste er, dass der Duft hier seinen Ausgangspunkt fand. Er riss einen violetten Flakon vom Tisch und hielt ihn sich unter die Nase. Er wusste es bereits, doch er konnte es nicht glauben: Es war der Duft der Jungfrau. Es war sein Duft, seine Seele. Wie im Rausch riss er einen zweiten Flakon vom Tisch und schnupperte. Dieser Geruch liess sein Herz stehen. Er war so vollkommen, wie ein Duft nur sein kann. Er war raffinierter als alles, was Grenouille je hergestellt hatte. Das konnte nicht sein. Die Leute wurden nun aufmerksam und der Besitzer des Stades wollte ihn wütend zurechtweisen, doch Grenouille liess sich nicht aufhalten. Er rannte los. Er rannte durch das Dorf und sah in jedes Haus. In der vierten Gasse hatte er Erfolg. Er blickte ins Fenster und sah zwei Dutzend Leute arbeiten. Sie verarbeiteten jegliche Pflanzen, Hölzer, Erde und Gesteine auf eine Art, wie er sie noch nie gesehen hatte. Und nicht nur das, sie arbeiteten auch mit menschlichem. Mit Haaren, mit Haut und Fetten. Diese Leute, sie sahen wie Indianer aus, wahrscheinlich Einheimische, hatten eine Technik gefunden, den Duft eines Menschen im lebenden Zustand zu binden.
Das Schlimmste aber, was Grenouille sah, waren die Arbeiter selbst, nicht die Kreationen, eine umwerfender, als die andere, diese Menschen waren wie er! Sie arbeiteten ohne jegliche Messbehälter, sie rochen ganz einfach. Nei-Es war noch viel schlimmer. Sie waren besser als er! Sie hatten Techniken entdeckt, die Grenouille nie gekannt hatte, hatten Düfte kreiert, von denen er nicht einmal die Einzelteile erraten konte, er kannte sie nicht einmal.
Es war der Moment, in dem der grosse Grenouille starb. Während er auf die Knie sank und sich die Haut vom Schädel kratze schrie er wie ein Tier. Er hörte nicht auf.
Er war nicht Gott, er war nicht besser, er war nicht einmal der Beste! Die ganzen Jahre hatte er geglaubt, er sei etwas Besonderes und die Menschen seien dumm, seien so dumm. Dabei war er dumm. Er war von einem Haufen Wilden übertroffen worden.
Grenouille, die Zecke, war plötzlich so gebrechlich, wie ein Vogel. Schwach sank er blutüberströmt zusammen und starb. Er starb und wurde in den Urwald geworfen. Die Leute verstanden diesen Fremden nicht, jedoch war der Vorfall sehr schnell vergessen, ebenso wie die Mordserie in Grasse. Niemand erinnerte sich bald an den Namen Jean-Baptiste Grenouille.- Weshalb auch? Er war ja nichts Besonderes.
Zur Information: Ich beginne die Geschichte neu zu Ende zu erzählen ab dem Punkt, wo Grenouille nun endlich seinen Jungfrauenduft erstellt hat.
Nun hatte er also sein Lebensziel erreicht: Den Duft der Jungfrau. Leicht aber gleichzeitig stark, lieblich und trotzdem nicht süss; der Duft war schlichtweg umwerfend!
Grenouille sog einen kleinen Hauch der noch in der Luft schwebte in seine gierige Nase ein. Auch minimal dosiert, war der Duft berauschend wie eine Droge. Grenouille wusste, dass dies sein Ziel war. Er hatte sein Leben lang gekämpft, gelitten und gelernt um diesen Flakon erstellen zu können. Und nun trug er ihn in den Händen. Es war ein Schatz, der Schatz seines Genies. In diesem Parfum lag all sein Talent, seine Hingabe, vielleicht sogar alle emotionsähnlichen Empfindungen, die Grenouille jemals hatte.
Er fühlte zwar Glück, er wusste nun, dass er angekommen war. Aber andererseits ekelte es ihn an. Die Menschen ekelten ihn an. Sie würden durchdrehen. Wegen der Macht eines Duftes. Natürlich, der Duft war hervorragend, geradezu perfekt. Aber dennoch, es war nur ein Duft. Die Menschen waren dumm. Sie liessen sich so gut kontrollieren, täuschen und verführen.
Er, Grenouille, hatte mehr Macht als Gott, er war Gott, der Gott der Düfte, so wie er es längst bereits im Innern seiner Seele war.
Er hasste diese Kreaturen. Während er über seinen Hass nachdachte, beschloss er wieder zu fliehen. Er wollte nie mehr eine Menschenseele erblicken, sie waren es nicht würdig. Den Flakon nahm er mit, er würde diesen Tieren nicht seine Seele schenken, sie wüssten es doch nicht zu schätzen.
Er ging los. Mit der festen Absicht nie mehr zurückzukehren, nie mehr einen Menschen zu sehen und irgendwann dort draussen zu sterben. Er würde mit dem Wissen sterben, dass er, der grosse Grenouille, besser war, als alles da draussen, er würde sich in seiner Todesminute mit seinem Duft übergiessen.
Er war 10 Jahre gereist. Auf Bergwegen, in tiefsten Wäldern und auf dem Meer; weit weg von den unswissenden, dummen Menschen. Seine Reise glich dem Aufenthalt in der Höhle, mit einem Unterschied: Er ging ständig, er entdeckte ständig neue Landschaften, neue Pflanzen, neue Gerüche. Alle Düfte der Welt zu kennen, dies war nun sein Lebensinhalt, er wollte sie nur kennen, sie im Kopf speichern und mischen. Er wollte nie mehr ein Parfum erstellen, für wen auch? Er allein sollte die Ehre haben diese Duftkreationen zu riechen, und das tat er in seinem Kopf und in seinem Herzen, im Königreich des grossen Grenouille.
Er reiste monatelang auf dem Meer. Irgendwann erblickte er Land. Er hatte solche Ländereien noch nie gesehen. Tausende von Pflanzen, er roch die vielfältige Vegetation bereits Kilometer entfernt. In den Geruch dieser Pflanzen hatte sich immer etwas unbeschreiblich starkes und undefinierbares gemischt. Die Intensität dieser neuartigen Gerüche und Kreationen kombinierten sich so, dass Grenouilles Nase beinahe kapitulierte.
Die Düfte fesselten ihn und zwangen Grenouille ihnen zu folgen. Er hatte nicht geglaubt, dass dieser unglaublich intensive Duft noch stärker werden könnte, doch mit jedem Schritt Richtung Ursprungsquelle überwältigte es ihn noch mehr. Schliesslich kam er zu einer Art Marktplatz. Dass jener von dunkelhäutigen Menschen überfüllt war, stöhrte ihn nicht. Als er vor einem Holztisch mit Wahren darauf stand, wusste er, dass der Duft hier seinen Ausgangspunkt fand. Er riss einen violetten Flakon vom Tisch und hielt ihn sich unter die Nase. Er wusste es bereits, doch er konnte es nicht glauben: Es war der Duft der Jungfrau. Es war sein Duft, seine Seele. Wie im Rausch riss er einen zweiten Flakon vom Tisch und schnupperte. Dieser Geruch liess sein Herz stehen. Er war so vollkommen, wie ein Duft nur sein kann. Er war raffinierter als alles, was Grenouille je hergestellt hatte. Das konnte nicht sein. Die Leute wurden nun aufmerksam und der Besitzer des Stades wollte ihn wütend zurechtweisen, doch Grenouille liess sich nicht aufhalten. Er rannte los. Er rannte durch das Dorf und sah in jedes Haus. In der vierten Gasse hatte er Erfolg. Er blickte ins Fenster und sah zwei Dutzend Leute arbeiten. Sie verarbeiteten jegliche Pflanzen, Hölzer, Erde und Gesteine auf eine Art, wie er sie noch nie gesehen hatte. Und nicht nur das, sie arbeiteten auch mit menschlichem. Mit Haaren, mit Haut und Fetten. Diese Leute, sie sahen wie Indianer aus, wahrscheinlich Einheimische, hatten eine Technik gefunden, den Duft eines Menschen im lebenden Zustand zu binden.
Das Schlimmste aber, was Grenouille sah, waren die Arbeiter selbst, nicht die Kreationen, eine umwerfender, als die andere, diese Menschen waren wie er! Sie arbeiteten ohne jegliche Messbehälter, sie rochen ganz einfach. Nei-Es war noch viel schlimmer. Sie waren besser als er! Sie hatten Techniken entdeckt, die Grenouille nie gekannt hatte, hatten Düfte kreiert, von denen er nicht einmal die Einzelteile erraten konte, er kannte sie nicht einmal.
Es war der Moment, in dem der grosse Grenouille starb. Während er auf die Knie sank und sich die Haut vom Schädel kratze schrie er wie ein Tier. Er hörte nicht auf.
Er war nicht Gott, er war nicht besser, er war nicht einmal der Beste! Die ganzen Jahre hatte er geglaubt, er sei etwas Besonderes und die Menschen seien dumm, seien so dumm. Dabei war er dumm. Er war von einem Haufen Wilden übertroffen worden.
Grenouille, die Zecke, war plötzlich so gebrechlich, wie ein Vogel. Schwach sank er blutüberströmt zusammen und starb. Er starb und wurde in den Urwald geworfen. Die Leute verstanden diesen Fremden nicht, jedoch war der Vorfall sehr schnell vergessen, ebenso wie die Mordserie in Grasse. Niemand erinnerte sich bald an den Namen Jean-Baptiste Grenouille.- Weshalb auch? Er war ja nichts Besonderes.
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