Montag, 29. März 2010

sich unterhalten

Was bedeutet sich unterhalten eigentlich?
Kann man ein: "ja, mmhm, ööh, nein, ok, bye" , in einem kurzen Telefongespräch überhaupt eine Unterhaltung nennen? Oder ist der Begriff sich zu unterhalten in unserem Zeitalter bereits völlig untergegangen!?

"Hey Alte, gömmer Migros." "Voll isi, Nigga, chilled mers", so hört man es Tag täglich auf der Strasse.

Kommunikation durch Laute, Fremdwörter und oft auch völlig frei erfundenen Wortschatz ist sehr präsent, vor allem in der Jugendszene. Aber unterhaltet man sich denn so? Wie definiert man "sich unterhalten?".

Darf nur: " Exzelenz, ihr Kleid umschmeichelt ihre zarte Gestalt beinahe frühlingshaft schön und lieblich in dieser farbenprächtigen Gartenkullisse" , als echte Unterhaltung angesehen werden?
Muss man com Gesprächspartner immer zwingend eine Antwort hören?
Oder kann dieser auch mit Schweigen zustimmen? Zählt das alte Sprichwort "ein Blick sagt mehr als tausend Worte?".

Nun, ohne Zweifel, hat sich die Sprache der Leute, im Laufe der Jahre massiv verändert.
Ich würde trotzdem behaupten, dass eine Unterhaltung immer dann als jene bezeichnet werden darf, solange mindestens zwei Personen daran beteiligt sind und ein Austausch von Meinungen, Informationen oder Anderem stattfindet. Früher, ich weise auf das obere Beispiel hin, sprach man oft sehr ausführlich, man beschrieb und umschrieb alles möglichst kreativ.

Nun frage ich mich ob in der heutigen Sprache nun weniger Information vorhanden ist.
Dafür ein kleines Beispiel:

Information: Die Musik ist schön.

"Alte Fassung": "Der Klang jender filigranen Instrumente streicht sanft über die verwöhnten Ohren meiner Selbst. Unfassbar welch Kunst, welch Genie in diesen Opus gelget wurde, welch Perfektion er wiederspiegelt."

"Heutige Fassung":"De Sound isch herte Scheiss."

Nun,denke ich, ist die zweite Fassung eigentlich inhaltlich gesehen präziser und vor allem bündig.
Stilistisch gesehen liefert die erste Fassung natürlich mehr Platz für Kreativität und man kann sich selbstverständlich auch sehr gut präsentieren. Die erste Fassunge scheint auf den ersten Blick oft unübersichtlich und übertrieben, doch auch die zweite Fassung hat ihre Tüken. Ich wage es nämlich zu bezweifeln, dass ein junger Mann Ende dreissig weiss was "en riise Schuss" in der Jugendsprache bedeutet. Somit ist auch der zweite Text nicht für jeder Mann klar zu verstehen.

Um auch die Grammatischen Aspekte zu klären, leidet die Sprache natürlich unter den Abkürzungen und Umformungen der heutigen Sprache. Trotzdem ist sie schnell und einfach und sie muss nicht zwingend ausschlaggebend für schlechte Deutschnoten sein, da bin ich mir sicher. (Eine Gewisse Gefahr, dass Wörter verloren gehen besteht natürlich, aber dies ist meiner Meinung nach nicht schlimm.

Mit dieser Feststellung beende ich das Thema mit dem Statement: Die Sprache oder die Unterhaltung hat sich sicherlich verändert, doch dass dies schlecht ist, denke ich nicht. Schwierig ist es für die älteren Generationen nur eine Veränderung zu akzeptieren, vielleicht weil ihnen dadurch ihr Alter vor die Nase gehalten wird.

Mittwoch, 24. März 2010

Quellen

Back to the future-wie ein Leben neu begann

Mein Name ist Francis Decloma. Ich lebe in Vancouver und arbeite als Staatsanwalt. Man könnte sagen, ich sei konservativ, langweilig und ein Arbeitstier, aber das ist Unsinn, nein, das ist nicht wahr, ich bin ein guter Ehemann und verdiene genügend Geld. Meiner Frau geht es gut mit ihrer neuen Gucci Handtasche und so oft bin ich ja doch nicht weg. Oder?-Nein, ich schweife völlig ab. Ich bin Geschäftsmann, erfolgreicher Geschäftsmann. Mein Vater wäre stolz auf mich.
Gestern kam mal wieder so ein greenpeace-rettet-die-Wale-Fuzzi angeschlurft und glaubte doch tatsächlich ich würde ihn mit Geld überschütten, da ich doch so vieles hätte und sicher ein sozialer und mitfühlender Mensch sei, was denkt der sich? Ich arbeite doch nicht Tag und Nacht um einem Wal, der sowieso irgendwann draufgeht das Leben zu retten. Und überhaupt, woher soll ich denn wissen, was dieses Blondlöckchen im Regenbogenshirt mit meinem hart verdienten Geld anstellt? Eine kleine Boutique für Typen in rosa Poloshirts, mit nem zu fetten Chihuahua auf dem Arm und nem Zahnpastawerbungslächeln im Solarium gerösteten Gesicht?-Nicht mit mir!
Aber ich bin ja kein schlechter Mensch und Geiz ist nicht meine Tugend, also wies ich ihm äusserst höflich den Weg zu meinem Nachbarn, ich begleitete ihn sogar bis zum Briefkasten, der neben dem rosa Bentley meiner Frau steht.
Ich ging zurück ins Haus und bestellte mir einen neues Kalbsfilet auf Trüffelteppich gespickt mit Kaviar, denn ich hatte entdeckt das der Kaviar eindeutig zu lange auf dem warmen Fleisch lag, bevor ich ihn gekostet hatte. Was für eine Schweinerei. Jean-Pièrre der 5 Sterne Koch, dem dies zu Schulden kam, machte ich wie üblich als erstes ein nettes Kompliment, bevor ich ihm den Teller vor die Füsse warf: "Gut sehen Sie aus, haben Sie ihr Tupet mal gegen Ihre Katze ausgetauscht?"
Später sagte ich meiner Frau, dass ich sie liebe und fuhr noch einmal ins Büro.
Im Auto überlegte ich mir, ob Jean-Pièrre es wohl ernst gemeint hat, als er mir nachschrie, ich solle doch zufrieden sein, mit dem was ich hätte und ich solle mich schämen, dass ich so verschwenderisch mit allem umginge, ich sei schliesslich ein Sohn Gottes, indirekt also sein Bruder und einen Bruder behandle man nicht so.
Ich fühlte eine gewisse Lehre.
Ein Gefühl, dass ich über Jahre verdrängt hatte, kam in mir hoch.
War es Mitleid?
War es Reue?
Ich verdrängte meine Gefühle mit einem kräftigen Schluck Martini.


Spät nachts fuhr ich endlich nach Hause. Ich fuhr auf dem Highway und versuchte krampfhaft mich zu konsentrieren. Immer wieder schienen mir meine Augen den Dienst zu verwehren.
Mein iPhone klingelte. Ich blickte auf den Beifahrersitz, wo es lag und vibrierte. Es war meine Frau. Sie war wohl wütend und enttäuscht, dass ich sie allein gelassen hatte. Ich musste abheben und ihr sagen, dass es mir leid tut, ich müsse doch Geld verdienen und ich werde ihr gleich morgen die Manolos kaufen, die sie schon so lange wollte.
In dem Moment hörte ich ein hupen.
Ich blickte auf die Fahrbahn und sah einen riesigen Laster auf mich zurasen. Seine Scheinwerfer blendeten mich und ich lenkte meinen Wagen ruckartig nach rechts. Direkt den Hang hinunter.


Ich sah alles in Zeitlupe, ich wollte schreien, wollte beten, wollte meiner Frau sagen, dass es mir leid tut und dass ich nun für sie da sein werde, fühlte die Kraft, mit der der Wagen flog und spührte schliesslich die Wucht, mit der ich durch die Windschutzscheibe knallte.


Als ich wieder sah, wusste ich nicht wie viel Zeit bereits vergangen war.
Das Erste, an das ich mich erinnere ist, dass ich da unten am Boden lag. Ich war etwa vier Meter über mir und war geschockt: "Das da unten bin ja ich!"(ca. bei 1 Minute) Plötzlich verstand ich, was passiert war und mein einziger Gedanke war: "Scheisse, ich bin tot!" Merkwürdigerweise machte mir das nichts aus. Ich sah Leute, die zu meinem Körper kamen. Ich schwebte nach oben, was mir in diesem Moment ganz natürlich vorkam. Plötzlich war ich umgeben von bläulich-weissem Licht. Es fühlte sich an, wie ein Fluss aus reiner positiven Energie, in dem ich versank.(ca. bei 2:28 min.) Ich kam in einen Tunnel. Und am Ende des Tunnels, war eine Art leuchtende Kugel und da schwebte ich drauf zu. Und als ich durch die Kugel flog, waren da wunderbare Farben. Rosa, Blau, Gelb. Und ich sah einen Baum, mit ganz besonderen Blüten. Dann kamen drei Gestalten auf mich zu. Das waren Verstorbene:(ca. 2:50 min) Mein Bruder, mein Sohn und mein Vater.
Mein Bruder, der Selbstmord beging im letzten Jahr. Er wurde von seinem Beruf regelrecht aufgefressen. Er war weich gewesen, gutherzig. Er kam mit den harten Fällen im Gerichtswesen einfach nicht klar.
Mein Sohn, oh Gott, er war das Schönste, dass ich je gesehen hatte. Er war bereits als Säugling an Gelbsucht gestorben. Ich hatte meine Frau noch nie so gesehen. Ihre lehren Augen.
Und mein Vater. Ich hatte meine Kindheit damit verbracht, ihm gefallen zu wollen und nicht einmal, nicht ein einziges Mal, hatte er mich gelobt. Er war ein guter Mann gewesen. Hart, zielstrebig. Vielleicht etwas zu hart, doch er hatte mich gelehrt, stark zu sein. Trotzdem hatte ich mich immer gefragt, ob diese Stärke nicht auf innere Schwäche zeigte.
Und ich sah sie alle. Wie sie mich ansahen. Wie sie lächelten. Ich hatte meinen Vater noch nie lächeln sehen. Mein Sohn, er war so gewachsen, er sah aus wie seine Mutter. Mein Bruder hielt mir seine Hand hin. Sie sagten: "Komm hier her, es ist sehr schön hier." Und sie gaben mir eine Art Führung durch wunderschöne Landschaften, in denen sehr tiefe Ruhe herrschte. Dann kamen wir an einen Bach, die Lichtkugel war immer dabei. Am Bach bekam ich plötzlich, wie in einem Blitz mein ganzes bisheriges Leben zu sehen. Von meiner Geburt, bis kurz vor dem Unfall. (ca. 3:15)
Ich sah, wie ich als Kind mit meiner Mutter im Garten spielte. Meinen Vater hatte ich nicht oft gesehen, er arbeitete ständig. Er vergass regelmässig meine Geburtstage und wenn er zu Hause war, dann ass er oder sass in seinem Büro. Ich sah die Szene, die ich nie vergessen hatte:

Vater war gerade von der Tür in sein Büro gerannt. Ein Kuss, das wars. Ich hatte meine Mutter dann gefragt: "Warum tust du das alles für ihn?" Sie hatte mir geantwortet: "Weil ich ihn liebe."
Ich hatte den Schmerz in ihrer Stimmer gehört und ihn in ihren Augen gesehen. Aber ich sah auch die Zärtlichkeit darin, und ich glaubte ihr. Also beschloss ich, meinen Vater zu lieben, wie es meine Mutter tat. Ich bewunderte sie für ihre Kraft. Ich war gut in der Schule und besuchte bald eine Eliteschule, ich lernte viel, ich spielte weniger. Ich begann meine Tage mit Freifächern und Büchern völlig auszufüllen und irgendwann fühlte ich mich wie mein Vater. Und ich dachte, dass sei gut. Er war schliesslich gutverdienend und er hatte stets gewollt, dass ich ein guter Sohn sei. Das hatte ich nun erreicht, dachte ich mir. Doch die Worte, die ich hören wollte, kamen nicht. Am Tag meiner Matura starb er.
Ich zog aus der Stadt und lernte 2 Jahre später Lilli kennen.
Ich hatte das Gefühl unsere Beziehung noch einmal zu erleben. Ich sah wie glücklich wir waren. Sah wie sie lächelte. Ich merkte wie viel Kraft mir dieses Lächeln schenkte und mir wurde klar, was ich all die Jahre vermisst hatte. Ich sah, wie wir zusammen reisten, wie wir uns stritten, wie wir uns wieder versöhnten. Aber der Streit schien so unbedeutend. Wir redeten, sie schrie mich an. Aber immerhin redeten wir, wir redeten. Heute schweigen wir nur noch. Schweigen ist schlimmer als jeder Streit.
Ich vermisste die Zeit. Ich wünschte mir eine zweite Chance. Ich merkte wie sehr ich diese Frau liebe.
Und dann sah ich, wie ich jeden Tag zur arbeit ging. Wie meine Frau weinend am Tisch sass. Die Hände im Gesicht vergraben. Die blonden Locken im Gesicht. Ich sah mich, wie ich arbeitete. Wie ich arbeitete. Und wie ich arbeitete. Und ich sah wieder meine Frau. Wie sie weinte, wie sie Spiegel zerbrach. Kam ich dann spät nachts nach Hause, so hörte ich sie schreien und doch war ihr Mund stets geschlossen. Verschlossen mit einem Lächeln so hart wie stein.
Ich spührte wie mir eine Träne die Wangen hinunter kullerte. Es tat weh. War das wirklich ich? Oder war das mein Vater? War das überhaupt ein Mensch? Kalt und gefühlslos? Ich wusste es. Und doch wollte ich es nicht glauben. Ich wusste nun für was ich lebte. Ich wusste ich würde meine Frau früher oder später verlieren, wenn ich sie nicht bereits verloren hatte. Mein Leben hatte sich genau in die Richtung gelenkt, die ich nie verstanden hatte, in die ich jedoch hineingeboren wurde. Doch nun, war es zu spät. Ich war tot. Ich würde meiner Frau nie wieder sagen können, dass sie mein Leben war. Ich würde mich nie entschuldigen können bei allen Menschen, denen ich Unrecht getan hatte. Mir wurde klar, dass Jean-Pièrre recht gehabt hatte. Ich hatte nie gesehen was ich alles besass, von Materiellen Dingen einmal abgesehen. Ich war so reich gewesen, als ich noch arbeitslos war. Ich wusste nun wer ich bin. Ich war Francis Decloma. Ausgebildet zum Arschloch. Doch wenn Gott mir noch eine Chance geben würde, dann wüsste er, wer er sein wollte.
Ein Mensch.
Ein Mensch mit Gefühlen.
Nun wollte ich kämpfen. Ich kämpfte gegen das Licht an, dass mich anzog. Ich wollte leben, ich wollte lieben.

In diesem Moment war ich zurück!
Ich fühlte mein Herz schlagen. Ich hatte unsägliche Schmerzen und trotzdem war ich so glücklich wie nie zu vor! Ich war allein. Mir wurde bewusst was geschehen war. Ich war nicht weg. Ich war am leben, in meiner eigenen perfekten Welt. Doch in meinem Herzen wusste ich nun, dass mein Leben nicht perfekt war. (1:05)Aber es würde es werden.
Ich drückte den Notknopf und Schwestern stürzten ins Zimmer.


Später erfur ich, dass ich über eine Jahr im Koma gelegen hatte .
Die Schwestern erzählten mir, dass mich meine Frau jeden Tag besucht hatte. Jeden Tag.
Und als ich sie wiedersah sah sie mich an und sie hielt sich die Hände vor den Mund.
Sie flüsterte: "Du bist es...nicht war? Du bist endlich wieder da!" Und ich wusste, was sie damit meinte. Sie sprach nicht vom Koma, sie sprach von ihrem Ehemann, den sie immer geliebt hatte.

Die ganze Geschichte ist nun 5 Jahre her. Ich habe meinen Job gekündigt und arbeite nun als Kindergärtner. Ich habe eine 2 Jahre alte Tochter, die ganz eindeutig meine Nase hat, auch wenn es meine Frau nicht wahrhaben will. Ich bin glücklich und ich weiss nun es sind die kleinen Dinge im Leben, die kleinen Dinge im Leben, es geht um die kleinen Dinge im Leben. (http://www.youtube.com/watch?v=2DtuayOUc88&feature=related (0:20 min)

Mittwoch, 17. März 2010

Back to the future-wie ein Leben neu begann

Mein Name ist Francis Decloma. Ich lebe in Vancouver und arbeite als Staatsanwalt. Man könnte sagen, ich sei konservativ, langweilig und ein Arbeitstier, aber das ist Unsinn, nein, das ist nicht wahr, ich bin ein guter Ehemann und verdiene genügend Geld. Meiner Frau geht es gut mit ihrer neuen Gucci Handtasche und so oft bin ich ja doch nicht weg. Oder?-Nein, ich schweife völlig ab. Ich bin Geschäftsmann, erfolgreicher Geschäftsmann. Mein Vater wäre stolz auf mich.
Gestern kam mal wieder so ein greenpeace-rettet-die-Wale-Fuzzi angeschlurft und glaubte doch tatsächlich ich würde ihn mit Geld überschütten, da ich doch so vieles hätte und sicher ein sozialer und mitfühlender Mensch sei, was denkt der sich? Ich arbeite doch nicht Tag und Nacht um einem Wal, der sowieso irgendwann draufgeht das Leben zu retten. Und überhaupt, woher soll ich denn wissen, was dieses Blondlöckchen im Regenbogenshirt mit meinem hart verdienten Geld anstellt? Eine kleine Boutique für Typen in rosa Poloshirts, mit nem zu fetten Chihuahua auf dem Arm und nem Zahnpastawerbungslächeln im Solarium gerösteten Gesicht?-Nicht mit mir!
Aber ich bin ja kein schlechter Mensch und Geiz ist nicht meine Tugend, also wies ich ihm äusserst höflich den Weg zu meinem Nachbarn, ich begleitete ihn sogar bis zum Briefkasten, der neben dem rosa Bentley meiner Frau steht.
Ich ging zurück ins Haus und bestellte mir einen neues Kalbsfilet auf Trüffelteppich gespickt mit Kaviar, denn ich hatte entdeckt das der Kaviar eindeutig zu lange auf dem warmen Fleisch lag, bevor ich ihn gekostet hatte. Was für eine Schweinerei. Jean-Pièrre der 5 Sterne Koch, dem dies zu Schulden kam, machte ich wie üblich als erstes ein nettes Kompliment, bevor ich ihm den Teller vor die Füsse warf: "Gut sehen Sie aus, haben Sie ihr Tupet mal gegen Ihre Katze ausgetauscht?"
Später sagte ich meiner Frau, dass ich sie liebe und fuhr noch einmal ins Büro.
Im Auto überlegte ich mir, ob Jean-Pièrre es wohl ernst gemeint hat, als er mir nachschrie, ich solle doch zufrieden sein, mit dem was ich hätte und ich solle mich schämen, dass ich so verschwenderisch mit allem umginge, ich sei schliesslich ein Sohn Gottes, indirekt also sein Bruder und einen Bruder behandle man nicht so.
Ich fühlte eine gewisse Lehre.
Ein Gefühl, dass ich über Jahre verdrängt hatte, kam in mir hoch.
War es Mitleid?
War es Reue?
Ich verdrängte meine Gefühle mit einem kräftigen Schluck Martini.


Spät nachts fuhr ich endlich nach Hause. Ich fuhr auf dem Highway und versuchte krampfhaft mich zu konsentrieren. Immer wieder schienen mir meine Augen den Dienst zu verwehren.
Mein iPhone klingelte. Ich blickte auf den Beifahrersitz, wo es lag und vibrierte. Es war meine Frau. Sie war wohl wütend und enttäuscht, dass ich sie allein gelassen hatte. Ich musste abheben und ihr sagen, dass es mir leid tut, ich müsse doch Geld verdienen und ich werde ihr gleich morgen die Manolos kaufen, die sie schon so lange wollte.
In dem Moment hörte ich ein hupen.
Ich blickte auf die Fahrbahn und sah einen riesigen Laster auf mich zurasen. Seine Scheinwerfer blendeten mich und ich lenkte meinen Wagen ruckartig nach rechts. Direkt den Hang hinunter.


Ich sah alles in Zeitlupe, ich wollte schreien, wollte beten, wollte meiner Frau sagen, dass es mir leid tut und dass ich nun für sie da sein werde, fühlte die Kraft, mit der der Wagen flog und spührte schliesslich die Wucht, mit der ich durch die Windschutzscheibe knallte.


Als ich wieder sah, wusste ich nicht wie viel Zeit bereits vergangen war.
Das Erste, an das ich mich erinnere ist, dass ich da am Boden lag. Ich war etwa vier Meter über mir und war geschockt: "Das da unten bin ja ich!" Plötzlich verstand ich, was passiert war und mein einziger Gedanke war: "Scheisse, ich bin tot!" Merkwürdigerweise machte mir das nichts aus. Ich sah Leute, die zu meinem Körper kamen. Ich schwebte nach oben, was mir in diesem Moment ganz natürlich vorkam. Plötzlich war ich umgeben von bläulich-weissem Licht. Es fühlte sich an, wie ein Fluss aus reiner positiven Energie, in dem ich versank. Ich kam in einen Tunnel. Und am Ende des Tunnels, war eine Art leuchtende Kugel und da schwebte ich drauf zu. Und als ich durch die Kugel flog, waren da wunderbare Farben. Rosa, Blau, Gelb. Und ich sah einen Baum, mit ganz besonderen Blüten. Dann kamen drei Gestalten auf mich zu. Das waren Verstorbene: Mein Bruder, mein Sohn und mein Vater.
Mein Bruder, der Selbstmord beging im letzten Jahr. Er wurde von seinem Beruf regelrecht aufgefressen. Er war weich gewesen, gutherzig. Er kam mit den harten Fällen im Gerichtswesen einfach nicht klar.
Mein Sohn, oh Gott, er war das Schönste, dass ich je gesehen hatte. Er war bereits als Säugling an Gelbsucht gestorben. Ich hatte meine Frau noch nie so gesehen. Ihre lehren Augen.
Und mein Vater. Ich hatte meine Kindheit damit verbracht, ihm gefallen zu wollen und nicht einmal, nicht ein einziges Mal, hatte er mich gelobt. Er war ein guter Mann gewesen. Hart, zielstrebig. Vielleicht etwas zu hart, doch er hatte mich gelehrt, stark zu sein. Trotzdem hatte ich mich immer gefragt, ob diese Stärke nicht auf innere Schwäche zeigte.
Und ich sah sie alle. Wie sie mich ansahen. Wie sie lächelten. Ich hatte meinen Vater noch nie lächeln sehen. Mein Sohn, er war so gewachsen, er sah aus wie seine Mutter. Mein Bruder hielt mir seine Hand hin. Sie sagten: "Komm hier her, es ist sehr schön hier." Und sie gaben mir eine Art Führung durch wunderschöne Landschaften, in denen sehr tiefe Ruhe herrschte. Dann kamen wir an einen Bach, die Lichtkugel war immer dabei. Am Bach bekam ich plötzlich, wie in einem Blitz mein ganzes bisheriges Leben zu sehen. Von meiner Geburt, bis kurz vor dem Unfall.
Ich sah, wie ich als Kind mit meiner Mutter im Garten spielte. Meinen Vater hatte ich nicht oft gesehen, er arbeitete ständig. Er vergass regelmässig meine Geburtstage und wenn er zu Hause war, dann ass er oder sass in seinem Büro. Ich sah die Szene, die ich nie vergessen hatte:

Vater war gerade von der Tür in sein Büro gerannt. Ein Kuss, das wars. Ich hatte meine Mutter dann gefragt: "Warum tust du das alles für ihn?" Sie hatte mir geantwortet: "Weil ich ihn liebe."
Ich hatte den Schmerz in ihrer Stimmer gehört und ihn in ihren Augen gesehen. Aber ich sah auch die Zärtlichkeit darin, und ich glaubte ihr. Also beschloss ich, meinen Vater zu lieben, wie es meine Mutter tat. Ich bewunderte sie für ihre Kraft. Ich war gut in der Schule und besuchte bald eine Eliteschule, ich lernte viel, ich spielte weniger. Ich begann meine Tage mit Freifächern und Büchern völlig auszufüllen und irgendwann fühlte ich mich wie mein Vater. Und ich dachte, dass sei gut. Er war schliesslich gutverdienend und er hatte stets gewollt, dass ich ein guter Sohn sei. Das hatte ich nun erreicht, dachte ich mir. Doch die Worte, die ich hören wollte, kamen nicht. Am Tag meiner Matura starb er.
Ich zog aus der Stadt und lernte 2 Jahre später Lilli kennen.
Ich hatte das Gefühl unsere Beziehung noch einmal zu erleben. Ich sah wie glücklich wir waren. Sah wie sie lächelte. Ich merkte wie viel Kraft mir dieses Lächeln schenkte und mir wurde klar, was ich all die Jahre vermisst hatte. Ich sah, wie wir zusammen reisten, wie wir uns stritten, wie wir uns wieder versöhnten. Aber der Streit schien so unbedeutend. Wir redeten, sie schrie mich an. Aber immerhin redeten wir, wir redeten. Heute schweigen wir nur noch. Schweigen ist schlimmer als jeder Streit.
Ich vermisste die Zeit. Ich wünschte mir eine zweite Chance. Ich merkte wie sehr ich diese Frau liebte.
Und dann sah ich, wie ich jeden Tag zur arbeit ging. Wie meine Frau weinend am Tisch sass. Die Hände im Gesicht vergraben. Die blonden Locken im Gesicht. Ich sah mich, wie ich arbeitete. Wie ich arbeitete. Und wie ich arbeitete. Und ich sah wieder meine Frau. Wie sie weinte, wie sie Spiegel zerbrach. Kam ich dann spät nachts nach Hause, so hörte ich sie schreien und doch war ihr Mund stets geschlossen. Verschlossen mit einem Lächeln so hart wie stein.
Ich spührte wie mir eine Träne die Wangen hinunter kullerte. Es tat weh. War das wirklich ich? Oder war das mein Vater? War das überhaupt ein Mensch? Kalt und gefühlslos? Ich wusste es. Und doch wollte ich es nicht glauben. Ich wusste nun für was ich lebte. Ich wusste ich würde meine Frau früher oder später verlieren, wenn ich sie nicht bereits verloren hatte. Mein Leben hatte sich genau in die Richtung gelenkt, die ich nie verstanden hatte, in die ich jedoch hineingeboren wurde. Doch nun, war es zu spät. Ich war tot. Ich würde meiner Frau nie wieder sagen können, dass sie mein Leben war. Ich würde mich nie entschuldigen können bei allen Menschen, denen ich Unrecht getan hatte. Mir wurde klar, dass Jean-Pièrre recht gehabt hatte. Ich hatte nie gesehen was ich alles besass, von Materiellen Dingen einmal abgesehen. Ich war so reich gewesen, als ich noch arbeitslos war. Ich wusste nun wer ich bin. Ich war Francis Decloma. Ausgebildet zum Arschloch. Doch wenn Gott mir noch eine Chance geben würde, dann wüsste er, wer er sein wollte.
Ein Mensch.
Ein Mensch mit Gefühlen.
Nun wollte ich kämpfen. Ich kämpfte gegen das Licht an, dass mich anzog. Ich wollte leben, ich wollte lieben.

In diesem Moment war ich zurück!
Ich fühlte mein Herz schlagen. Ich hatte unsägliche Schmerzen und trotzdem war ich so glücklich wie nie zu vor! Ich war allein. Mir wurde bewusst was geschehen war. Ich war nicht weg. Ich war am leben, in meiner eigenen perfekten Welt. Doch in meinem Herzen wusste ich nun, dass mein Leben nicht perfekt war. Aber es würde es werden.
Ich drückte den Notknopf und Schwestern stürzten ins Zimmer.


Später erfur ich, dass ich über eine Jahr im Koma gelegen hatte .
Die Schwestern erzählten mir, dass mich meine Frau jeden Tag besucht hatte. Jeden Tag.
Und als ich sie wiedersah sah sie mich an und sie hielt sich die Hände vor den Mund.
Sie flüsterte: "Du bist es...nicht war? Du bist endlich wieder da!" Und ich wusste, was sie damit meinte. Sie sprach nicht vom Koma, sie sprach von ihrem Ehemann, den sie immer geliebt hatte.

Die ganze Geschichte ist nun 5 Jahre her. Ich habe meinen Job gekündigt und arbeite nun als Kindergärtner. Ich habe eine 2 Jahre alte Tochter, die ganz eindeutig meine Nase hat, auch wenn es meine Frau nicht wahrhaben will. Ich bin glücklich und ich weiss nun es sind die kleinen Dinge im Leben, die kleinen Dinge im Leben, es geht um die kleinen Dinge im Leben.

Sonntag, 14. März 2010

Axolotl Roadkill-over and over again

Ich möchte beginnen, indem ich bemerke, dass mir die Geschichte bevor ich vom Plagiat gewusst habe, schon nicht gefallen hat.
Ich fand die vulgäre Sprache definitiv übertieben. Natürlich kann man anmerken, dass sie einen durchaus modernen Schreibstil gewählt hat. Man sagt heute nun mal "es isch geil gsi" und nicht "das hat mir jetz aber sehr gefallen". Trotzdem fand ich es stellenweise masslos und völlig unpassend! Wieso muss es eine "Scheiss Fotografie" sein? Ich bin 14 Jahre und kann wohl behaupten die Sprache der Jugend zu kennen. Jedoch wage ich zu behaupten, dass niemand sich in diesen Zusammenhängen und in solchen Themen so ausdrücken würde.
Nun, übertrieben oder nicht, jedem das Seine. Was ich jedoch schockierend fand, und ich bin ja nicht gerade konservativ, war, dass sie Themen wie Vergewaltigung dermassen hemmungslos, meiner Meinung nach pervers, sogar als normal oder harmlos dargestellt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man einen Text verfassen kann, der solche Themen in solcher Art und Weise zeigt. Mir stellt sich die Frage, was sich die Autorin denn so vorstellt? Woher kommen solche kranke Fantasien? Ich wage zu bezweifeln, dass sie reine Vorstellung sind. Und wäre gerade die Vergewaltigung eine Fantasie, wäre das nicht genauso krank? Ich finde es gut, dass man in der Literatur Dinge schreiben kann, die man vielleicht nicht sagen oder machen würde. Dennoch bestehen für mich einige Grenzen und die hat Helene Hegemann weitaus überschritten. Und dies alles wird durch den herben Schreibstil beinahe provokant hervorgebracht. Bleiben wir bei dieser provokanten Haltung.

Man hat also entdeckt, dass Helene Hegemann eindeutig ganze Abschnitte, gar Seiten, plagiert hat.
Diese Frau ist mir ein Rätsel. Eine 17jährige wird in den höchsten Tönen gelobt. Für ihren Wortreichtum, die einzigartige Sichtweise und die Darstellung einer Gesellschaft die uns so fremd erscheint und doch die Unsere ist.
Wenige Zeit später bröckelt die Fassade bereits stark. Für mich ist die Plagiatsgeschichte eine Bestätigung. Ich hatte mir das Interview mit Helene Hegemann bereits bevor ich von den erschreckenden Erkenntnissen gehört hatte, angesehen. Bereits damals konnte ich mich nicht mit der Autorin anfreunden. Sie redete durchaus mit einem breiten Wortschatz, was man ja eigentlich auch bewundern kann, irgendwoher kommt das ja. Doch mir schien es, als wäre sie nur darauf konsentriert, möglichst schwierige Sätze zu bilden. Mir schleicht an dieser Stelle immer ein lächerlicher Vergleich ins Gedächtnis: Die Geschichte mit dem Kaiser und den unsichtbaren Kleidern. Ich nehme an, man kennt diese Geschichte.
Helene Hegemann schreibt für mich einen Text, der so komplex und auch teilweise so sinnlos und zusammenhangslos, sowie erschreckend direkt und prüde ist, dass sich jeder denkt: " Das wird wohl intelligent sein." Und somit wird das "Werk" gelobt, unterstrichen von dem Fakt, dass die Autorin wahrscheinlich jünger als jeder der Kritiker ist. Kurz und bündig wird sie als Talent gefeiert.
Natürlich, auch dies kann man Talent nennen. Trotzdem ist für mich ein Plagiat, das mehrere Seiten umfasst und dabei nicht einmal abgeändert wurde, eine Frechheit.
Um zur Provokation zurück zu kommen, die Dreistheit einen Text wortgenau zu kopieren und dann "per äxküsi" später einmal eine kleine Namenserwähnung zu drucken, zeugt für mich von einer jungen Frau, die sich einen Spass mit der Gesellschaft leistet und diesen ja auch genügend auskosten konnte.
Um auf den Punkt zu kommen, ein Plagiat ist für mich keine Kunst. Höchstens Bewunderung für einen Menschen. Die Vorstellung, der Wunsch man selbst besässe dieses Talent wird zu Neid.

Man könnte wohl stundenlang über diese Buch und dessen Autorin diskutieren. Ob gut oder nicht gut, ob Kunst oder Frechheit, schlussendlich zählt auch hier der persöhnliche Geschmack.
Meiner ist es definitiv nicht.