Samstag, 2. April 2011

Der Lehrer als Gewissen?

Ich möchte mich, nachdem ich das Stück "der Besuch der alten Dame" zu Ende gelesen habe, etwas genauer mit "dem Lehrer" befassen.

Vorgehen: Ich überlflog das Buch ein zweites mal und achtete dabei nur auf die Teile des Lehres. Ich markierte die Stellen und entwarf meine Theorie: Der Lehrer als Personifizierung des Gewissens im Stück.

Begründung, einige Zitate: Bereits während dem Lesen fiel mir auf, dass der Lehrer eine etwas andere Stellung einnahm als der Rest des Dörfchens. Um genau zu sein, das erste Mal auf Seite 19. Zitat: ..."Die Noten der Klara Wäscher sind leider, leider herzlich schlecht. Auch das Betragen. Nur in der Pflanzen-und Tierkunde genügend." Der Lehrer redet hier nichts schön, so wie die anderen Personen. Er sagt klar und deutlich, dass sie schlecht war.

Die Zweite Stelle bestätigt meine Theorie bereits stärker (S.34): ..."doch was gruseln heisst, Bürgermeister, weiss ich erst seit einer Stunde. Schauerlich, wie sie aus dem Zuge stieg, (...) Kommt mir vor wie eine Parze, wie eine griechische Schicksalsgöttin. sollte Klotho heissen, nicht Claire, der traut man es noch zu, dass sie Lebensfäden spinnt." Hier äussert sich der Lehrer als Erster und Einziger deutlich schlecht über Frau Zachanassian. Er traut ihr nicht. Er scheint sie nicht zu mögen. Er fürchtet sie. Der Vergleich mit Klotho, also Göttin, die den Lebensfaden spinnt, erweist sich im Laufe der Geschichte als wahr. Es scheint, als habe der Lehrer die Gefahr gespührt; und wenn er sie nicht gespührt hat, dann hat er die Situation bzw. die Person zumindest hinterfragt.

(S. 77)Situation: Der Panther von Claire Zachanassian ist entlaufen. Schliesslich wurde er erschossen. Der Lehrer bedaurt den Verlusst des Tieres. Als einziger begreift er, dass das Tier der Menschen wegen sterben musste. Eine sehr interessante Stelle ist auch jene auf Seite 89. Der Arzt und der Lehrer suchen Claire Zachanassian auf, und setzen sich für Ill ein. Der Arzt ist dabei nur Begleiter, der Lehrer hingegen unterstreicht die Not die herrsche und appeliert an das Gewissen Clair`s.

Seite 98 stellt den Höhepunkt seiner Rolle dar. Er bricht das Schweigen, will die Wahrheit aussprechen. Sein Versuch wurde von Ill persöhnlich unterbrochen. Ausserdem verhalf der Alkohol zu Mut. Dies bestärkt meine Theorie jedoch in einem weiteren Punkt. Der Lehrer ist schwach, so wie alle Leute des Städtchens.

Die letze Stelle bestätigt meine Annahme der Schwäche. Die Schlussrede (S.121): Der Lehrer ist gebrochen. Er verdeht die Tatsachen, so wie alle und redet sich selbst ein, dass er das richtige tut. An diesem Punkt hat er aufgegeben. Er schwimmt nun mit dem Strom. Seine Rolle ist ab dieser Rede auf gleiche Höhe zu stellen, wie die, des Bürgermeisters.

Fazit: Der Lehrer ist anfangs anders. Er erinnert die Leute, versucht sie davor zu bewahren, nur das Positive an Dingen zu sehen und er hat eine individuelle Persöhnlichkeit. Er ist für mich in diesem Drama eine Personifizierung des Gewissens, das schlussendlich aber trotzdem überwunden wird. Das Gewissen, oder in diesem Fall, das schlechte Gewissen, ist nur in schwacher Form vorhanden in der Geschichte. Die Leute reden sich etwas ein. Sie verdrängen. Sie besiegen ihr Gewissen schlussendlich. Der Lehrer spiegelt für mich die Schwäche der Leute wieder und deshalb scheitert auch er am Schluss. Er betrinkt sich vor seinem Versuch die Wahrheit auszusprechen, doch er tut es. Er gesteht sich innerlich ein, dass es falsch ist und kann diesem Wissen schlussendlich trotzdem nicht die Oberhand geben. Er kämpft und verliert. Die Anderen redeten sich eine, es gäbe keinen Grund zu kämpfen, dass sie im Recht seien.