Als wir in der Schule begannen, das Stück zu lesen, war ich ziemlich unvoreingenommen.
Ich wusste überhaupt nicht, was ich da las, um was es ging und ob es mir gefiel oder nicht.
Ich war nicht überrascht, wie verstrickt und komplex der Text war. Doch im Unterricht fiel mir das lesen nicht allzu schwer. Wir lasen den Teil mit der Geschichte. Hauptsächlich philosophiert man hier über die Weltreligionen. Das Thema ist für mich omnipräsent und sehr wichtig!
Ich fand die Geschichte sehr gut verständlich und auch wirklich schön. Der Autor schien sich nicht auf eine Religion zu fixieren und man konnte auch nicht herauslesen, welcher er angehörte, falls er überhaupt einer angehörte. Dieser Punkt fand ich sehr schön.
Wie schon gesagt, gefil mir das Stück bis jetzt recht gut. Es regte mich zum andenken und diskutieren mit meiner Familie an.
Mit recht positiver Erinnerung und der Entschlossenheit sich jetzt hinzusetzen und für einmal nicht verblödende Mtv-Serien zu schauen ( wie amüsant die auch sind), nahm ich das Buch "Nathan der Weise" in den Ferien hervor. Ich begann weiterzulesen, oder besser gesagt ich versuchte es. Es ging nicht. Kaum begann ich zu lesen, schweifte ich ab. Ich bildete mir ein, mich konsentriert zu haben, konnte mich aber bereits nicht mehr an die eben gelesene Seite erinnern, geschweige denn an den Inhalt.
Das konnte es doch nicht sein.
Mit beinahe aufgezwungener, verbissener Konsentration machte ich mich erneut an die bereits gelesenen Seiten. Ohne erfolg.
Nach weniger als 5 Minuten legte ich das Buch weg. Mit lehrem Kopf.
Wie konnte das sein? Ich hatte doch zuvor so gut von dem Buch gedacht und hatte es auch freiwillig in die Ferien mitgenommen, hatte bewusst keinen Krimi, keine Biografie, hatte ein bekanntes und wie ich hörte wichtiges Stück Literatur eingepackt und nun wollte ich mir nicht die Mühe machen es zu lesen?
Halt! Habe ich mich nicht gerade verraten? Ich zitiere mich selbst: "..hatte BEWUSST keinen Krimi...mitgenommen" Wenn ich doch so begeistert war und dieses Buch wirklich hätte lesen wollen, hätte ich gar nicht daran gedacht ein anderes Buch mitzunehmen. Ich hatte also damit gerechnet, dass ich, falls ich ein anderes Buch mitgenommen hätte, nicht dieses Büchlein gelesen hätte. Interessant, was man, ohne es zu bemerken, für Massnahmen setzt.
Auch hier: "...WIE ICH HÖRTE wichtiges Stück Literatur.." Das klang danach, als würde ich mir einreden, das nun lesen zu müssen, weil es doch so toll sei. Aber ich kannte niemanden, der mir jemals gesagt hätte: "Dieses Buch musst du lesen. Das ist so toll!" Ich hatte immer nur gehört es sei tolle Literatur, weltbewegend. Aber wie definiert man nun weltbewegend? Was macht denn Literatur weltbewegend? Ist Literatur nur Weltliteratur weil sie alt ist? Weil der Autor berühmt war? Aber wieso ist ein Klassiker gut? Nur weil ihn jeder kennt? Auch Lady Gaga kennt jeder. Aber muss man deswegen ihre Musik hören?
Ich stelle fest, dass auch hier Geschmack die Hauptrolle spielt. Ich verstehe manche Dinge nicht, die als "gut" abgestempelt werden ( perfektes Beispiel: "Axolotl Roadkill"), nur weil das ein par Leute denken. Gut oder nicht Gut, dass muss doch schlussendlich jeder selbst entscheiden.
Ich kann noch nicht bewerten ob mir "Nathan der Weise" gefällt oder nicht. Dafür habe ich noch viel zu wenig von dem Stück gelesen.
Was ich jedoch weiss, dieses Buch benötigt unglaublich viel Konsentration und ich finde es deshalb ausserschulisch nicht geeignet, weil ich für meinen Teil dann einfach nicht mehr die Energie habe mich so konsentrieren zu müssen und tut man dies nicht, so kann man auch Mtv einschalten und sich zublabbern lassen.
Viel Spass.